Die Bausteine der FemPower Vienna Initiative des ZIT

Bonus für Projektleiterinnen
Seit 1. Jänner 2008 ist die neue Richtlinie ZIT08 plus in Kraft. Bei der Förderung von Forschungs- und Entwicklungsprojekten ist ein Bonus von 10.000 Euro vorgesehen, wenn mit der Projektleitung nachweislich eine dafür qualifizierte Frau beauftragt wird. So wird strukturell ein Anreiz geschaffen, um Frauen in Führungsrollen zu bringen. Die meist männlich geprägte Dominanzkultur in Projekten wird so öfters in Frage gestellt - hoffentlich zugunsten einer geschlechterdemokratischen Sichtweise.

Fördercalls FemPower
Bereits seit dem Jahr 2002 veranstaltet das ZIT regelmäßig wettbewerbsorientierte Förderausschreibungen, sogenannte Calls, um Fördergelder nicht mehr nach dem Gießkannenprinzip, sondern im Zuge eines Wettbewerbsverfahrens an die besten Projekte zu vergeben. Mit dem Call FemPower Vienna 2004 und FemPower Vienna 2007 wurden technologisch innovative Forschungsprojekte, bei denen Frauen substanziell mitwirken, gefördert. Es werden ausschließlich Projekte gefördert, die entweder von Frauen geleitet werden oder deren wissenschaftliche Umsetzung maßgeblich von Frauen geleistet wird.
Dies soll für die Unternehmen ein sehr konkreter finanzieller Anreiz sein, Frauen stärker als bisher mit einzubeziehen. Die maximale Förderungshöhe betrug pro Projekt 500.000 Euro. Bei den Calls FemPower Vienna 2004 und 2007 wurden 20 Forschungs- und Entwicklungsprojekte mit 3,9 Millionen Euro gefördert, die von Frauen geleitet oder unter maßgeblicher Beteiligung von Forscherinnen realisiert werden.
2009 fand der Call FemPower Innovation 2009 statt, dessen Ergebnisse in Kürze veröffentlicht werden.

Gender als Thema in den Projektanträgen
Die folgende Frage nach der Genderrelevanz der Projekte ist Teil jedes Antrags, mit deren gewissenhafter Beantwortung die AntragstellerInnen zusätzliche Punkte lukrieren können:
„Beschreiben Sie die Relevanz ihres Projektes im Bezug auf die Gleichstellung von Männern und Frauen (Genderrelevanz) und hinsichtlich der Nutzung oder dem Bedarf unterschiedlicher KundInnengruppen?“
Zusätzlich hilft ein Leitfaden mit konkreteren Fragen zu Gender- und Diversitätsrelevanz, dem/der AntragstellerIn sein/ihr Produkt, Verfahren bzw. seine/ihre Dienstleistung von möglichst vielen Seiten abzuklopfen. Hierbei werden beispielsweise Fragen nach den Auswirkungen auf die gesellschaftlichen Beteiligungsprozessen, unterschiedlichen Lebensrealitäten oder traditionellen Rollen von Frauen und Männern gestellt. Zudem wurde dem Leitfaden Projektbeispiele beigefügt, um genderrelevante Aspekte in Produktinnovationen zu veranschaulichen. Dieser Leitfaden bietet nicht nur Hilfestellung, sondern ist im gleichen Atemzug auch eine Einführungseinheit im Gendertraining, sprich er sensibilisiert die Unternehmen hinsichtlich des Genderaspekts ihrer Produkte, Verfahren oder Dienstleistungen.
Grundsätzlich sollen hierbei aber nicht Klischees oder Stereotype bedient werden, denn ein rosa Motorrad ist noch lange kein „Good Practice Beispiel“, da die Genderrelevanz von Farben enden wollend ist. Um bei diesem Beispiel zu bleiben – innovative Ansätze bei der Produktion von Motorrädern wären zum Beispiel Sitzhöhe und Gewicht stärker zu berücksichtigen.

Genderindikator bei der Projektbeurteilung
Der Anteil von Frauen, die an der Projektrealisierung mitwirken, und die Genderrelevanz der Projekte sind Faktoren, die die Jury bewertet, um eine Reihung der Projekte nach ihrer Qualität vorzunehmen. Im Sinne einer positiven Diskriminierung wird bei der Beurteilung von zwei gleichwertigen Projekten automatisch jenes gefördert, an dem mehr Frauen mitarbeiten.
In der Projektbeurteilung schlägt sich der Genderindikator zwar nicht als ein K.O.-Kriterium nieder, jedoch wird die Frage Gender Mainstreaming dadurch bei jedem Projekt im Laufe einer Jurysitzung Aufmerksamkeit geschenkt und dringt so auch stärker ins Bewusstsein von JurorInnen, die auch MultiplikatorInnen sind, ein.

Genderkompetenz in den Jurys
In den Beurteilungsgremien des ZIT wird bei der Auswahl der ExpertInnen, unabhängig vom Thema, darauf geachtet, dass mindestens 1/3 der Jury mit Frauen besetzt wird. Zusätzlich wird besonderer Wert darauf gelegt, dass mindestens eine Person mit ausgewiesener Expertise zu gleichstellungspolitischen Fragen Mitglied des Gremiums ist, denn auch hier spielt Genderkompetenz sowohl als sensibilisierender Faktor als auch in wertender Hinsicht eine wichtige Rolle.

Gendertraining der ZIT-MitarbeiterInnen
Im Jahr 2007 fand am ZIT ein Gendertraining statt, um die Genderkompetenz der MitarbeiterInnen zu steigern und den Blick auf die eigene Arbeit zu schärfen. Seit dem reflektiert das ZIT bei allen Aktivitäten, wie Gender Mainstreaming in die eigene Arbeit einfliessen kann, aber auch mit welchem Verständnis von Geschlechterrollen und Gender die MitarbeiterInnen des ZIT selbst arbeiten. Es wurde festegestellt, dass die Definitionen und Interpretationen von Gender als Kategorie und Gender Mainstreaming als Strategie, Methode und Instrument weit gestreut sind.

Themenspezifische Veranstaltungen
Das ZIT organisiert verschiedene themenspezifische Veranstaltungen (Innovationsgespräche, Teilnahme am Töchtertag, etc.), um Bewusstsein für genderrelevante Aspekte in Unternehmen und der Öffentlichkeit zu schaffen.

Durch diesen umfangreichen und konkreten Maßnahmen-Mix versucht das ZIT nicht nur den Frauenanteil in der betrieblichen Forschung, sondern auch die Qualität der Forschung an sich zu heben.

 

Die Bausteine der FemPower Vienna Initiative des ZIT
FemPower

ZIT Zentrum für Innovation und Technologie GmbH
Die Technologieagentur der Stadt Wien