Interview Wiener Zeitung, April 2009
Welche Schwerpunkte setzt das ZIT bei seiner Technologieförderung?
Wir haben in den vergangenen Jahren vor allem vier Bereiche gefördert: Life Sciences bzw. Biotechnologie, den Medienbereich, Informations- und Kommunikationstechnologien und Umwelt, Energie, Mobilität. Und der Erfolg für Wien kann sich sehen lassen – im Bereich der Biotechnologie hat Wien etwa im Vergleich zu München binnen kürzester Zeit einen beeindruckenden Aufholprozess gezeigt und auch im Bereich der Medien- und Kreativindustrie steht bei den Beschäftigtenziffern ein großes Plus.
Was bekommen innovative Unternehmen bei Ihnen noch außer Förderungen? Anders gefragt: Was macht das ZIT, was andere nicht machen?
Das Besondere am ZIT ist, dass wir alles aus einer Hand bieten. Es braucht eben Förderungen plus Beratung plus Vermittlung von ExpertInnen - plus die richtigen Büros und Labors und eine inspirierende Nachbarschaft mit der Aussicht auf Synergieeffekte. Denn in den letzten Jahren haben wir gesehen, dass Geld alleine zu wenig ist, um Unternehmerinnen und Unternehmer bei der Umsetzung ihrer Ideen zu unterstützen. Nur ein Beispiel: wir bringen Unternehmen aktiv mit wissenschaftlichen Partnern zusammen, die sie bei der Realisierung ihrer Ideen unterstützen können. Die TechnologieberaterInnen des ZIT haben im letzten Jahr zahlreiche Innovationen aktiv unterstützt und damit dazu beigetragen, dass sich Wiener Unternehmen im internationalen Wettbewerb behaupten können.
Die Stadt Wien unterstützt nun verstärkt Medienunternehmen. Will man die krisengebeutelte Medienbranche retten?
Zunächst: wir sehen Medien sehr breit – von den äußerst erfolgreichen Wiener Games-Entwicklern bis zum E-Book-Verlag. Über 50.000 Beschäftigte arbeiten in Wien im Medienbereich, die Stadt hat deren Bedeutung erkannt. Gerade die vielen kleinen und jungen Medienunternehmen zeichnen sich durch eine besonders reges Innovationsverhalten aus. Sie bringen also viel Neues auf den Markt, sind aber bei Schwierigkeiten auch sensibler als große und etablierte Unternehmen. Deshalb setzen wir eine Reihe von Initiativen – von themenspezifischen Förderwettbewerben bis zum Media Quarter Marx.
Wien ist anders: Wie äußern sich die Unterschiede Wiens gegenüber Innovationsstandorten international?
Gerade in Asien zeigt sich, dass die Entwicklung hin zu gigantischen themenübergreifenden Forschungs- und Technologieparks geht. Die Dimensionen lassen da aber eher auf Logistik- und Industriestandorte schließen. Wiener Standorte für Forschung, Technologie und Innovation sind klein, aber fein. Jedenfalls hoch spezialisiert und sehr dynamisch. Und gerade diese können auch internationale Sichtbarkeit erlangen. Das Beispiel Campus Vienna Biocenter zeigt, dass die Mischung aus Ausbildung, Forschung und Entwicklung ideal ist. Und mit AFFiRiS hat ein typisches Biotech Start-Up am Campus Vienna Biocenter im Herbst letzten Jahres den größten Biotech-Lizenzdeal der österreichischen Geschichte geschafft.

